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DIE REKONSTRUKTION DES KASTELLS PFÜNZ
 

Die Rekonstruktion des Kastells Pfünz

Friedrich Winkelmann, Schloßbesitzer in Pfünz und Gründungsmitglied des Historischen Vereins Eichstätt führte in den Jahren 1884 bis 1900 umfassende Ausgrabungen auf dem Kastellgelände durch. Die Toranlagen, die Umfassungsmauer und mehrere Gebäude im Innenbereich des Kastells wurden entdeckt. Im Lagerdorf südlich des Kastells wurden 137 Gebäude registriert. Die zahlreichen Funde sind im Museum auf der Wilibaldsburg zu besichtigen.

Die von Winkelmann gefundenen Grundmauerreste waren trotz einer Reparatur in den Jahren 1954/55 weitgehend verfallen. Eine grundlegende Sanierung war erforderlich, wollte man die Zeugen der alten Zeit nicht gänzlich verschwinden lassen. Der Historische Verein Eichstätt hat die Initiative ergriffen und die Restaurierung eingeleitet. So wurde in den Jahren 1987/88 das Nord-, Süd- und Westtor gesichert. Das Osttor bleibt in der Erde konserviert. Der Kostenaufwand war DM 97.000,-. Die Einweihung und das erste Kastellfest fand genau 1100 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung von Pfünz im Jahre 1989 statt.

Die Toranlagen waren jetzt zwar in ihrem Grundriss sichtbar, vorstellen konnte sich der Besucher allerdings wenig. So war es bestimmt ein genialer Entschluß, die Rekonstruktion anzugehen. Rekonstruieren heißt, ohne Zerstörung der Originalsubstanz und ohne Beeinträchtigung des Gesamtdenkmals die Anlage mit neuem Baumaterial orginalgetreu wieder herzustellen.

Für die Mauern hatten die Römer Kalk- und Dolomitsteine aus der Umgebung genommen, für die Torbögen Tuffsteine verwendet und die Dächer mit Leisten- und Hohlziegeln gedeckt. Vorbilder für die Rekonstruktion waren Darstellungen aus römischer Zeit an der Trajanssäule in Rom (Form des Holzgeländers) und noch erhaltene römische Bauten, wie die Porta Praetoria in Regensburg, die Porta Nigra in Trier, das Praetorianerlager in Rom oder das Kastell Bou Njem in Lybien.

Nach der Rekonstruktion des Nordtores wurde die Wiedererrichtung des nordwestlichen Eckturmes im Jahre 1991 angegangen. Ende 1992 wurden die Grundmaueren des südöstlichen Turmes ein Stück erhöht.

Im Lauf des Jahres 1994 wurde die Verbindungsmauer zwischen dem Nordtor und dem nordwestlichen Eckturm gezogen. Erst durch diese Maßnahme wird die Wucht des Bauwerks spürbar und es wird klar, welche Macht hinter diesen Mauern darauf wartete, den Limes zu verteidigen.Wenn das Projekt der Rekonstruktion des Kastells Pfünz auch seine Kritiker hat, zeigt doch das große Interesse der Besucher aus fern und nah, daß es richtig ist, Zeugen der alten Zeit wieder sichtbar zu machen. Hoffentlich werden die Entscheidungsträger ermuntert, die Rekonstruktion weiter voran zu treiben und die entsprechenden Mittel zur Verfügung zu stellen, damit das Kastell Pfünz als Gesamtdenkmal zugänglich wird.


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